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TEXT Nick Pulina | FOTOS Restaurant Fleur de Sel
Manche Gerichte sind mehr als bloßes Essen. Sie können identitätsstiftend sein, Vergangenes wieder aufleben lassen oder wortlos Bilder evozieren. Die Trilogie vom bretonischen Steinbutt, Rotbarbe und Pulpo, für die uns Patrick Theumer aus dem Restaurant Fleur de Sel in Maintal (ein Diamond), das Rezept verraten hat, ist eines dieser Gerichte. So beschreibt es Theumer selbst:
„Dieses Gericht ist eines meiner Liebsten und beschreibt mich als Person womöglich am besten, da ich als Halbfranzose seit meiner Kindheit die Sommerferien – nun auch die Sommerferien meiner Kinder – an der Côte d’Azur in Nizza verbringe. Wenn ich dieses Gericht koche oder esse, erinnere ich mich immer an viele Momente wie die großen Festessen, wenn die Familie zusammenkam und Oma mehrere Gänge serviert hat. Wenn mein Onkel mit seinem Motorrad in die Cafés am Meer fuhr und ich den Geruch von Pernod in der Nase verspürte und das erste Mal am Glas nippen durfte. Wenn ich mit meinen Kindern im Meer tauchen gehe und wir Pulpos beobachten, die dann in einer Wolke aus Tinte verschwinden. Den Geruch von Zitrusbäumen im Garten meines Onkels oder die schönen Momente am Hafen, wenn man die Bouillabaisse mit dem Fang des Tages serviert bekommt oder Abends müde vom schwimmen und der Sonne am Wagen noch eine Pizza mit Sardellen und frittierten Kapern bestellt.“
Viel Spaß beim Nachkochen!

Zutaten (je nach Bedarf):
ZUTATEN
Fisch
200 g Steinbutt, küchenfertig, ohne Haut
150 g Butter
3 Zweige Thymian
2 Zehen Knoblauch
4 Pulpoarme, vorgegart, ca. 200 g Gesamtgewicht
2 EL Olivenöl
1 Lorbeerblatt
3 Pimentkörner
1 Prise Meersalz
3-4 EL neutrales Öl, z.B. Traubenkernöl
4 Rotbarbenfilets, mit Haut, entschuppt und entgrätet, ca. 200 g Gesamtgewicht
Krustentier-Bouillabaisse
800 g bis 1 kgKrustentierkarkassen (Hummer, Langusten, Garnelen etc.)
Steinbuttabschnitte (s.o.)
Rotbarbenabschnitte (s.o.)
neutrales Öl, z.B. Traubenkernöl
2 Schalotten, feingewürfelt
1 Fenchelknolle, klein, feingewürfelt
2 Stangen Staudensellerie, feingewürfelt
1 Karotte, mittelgroß, feingewürfelt
2-3 EL hochwertiges Tomatenmark
250 ml Weißwein, trocken
50 ml Cognac
1-1,2 l kaltes Wasser oder sehr leichter Fischfond
3 Zweige Thymian
8 schwarze Pfefferkörner
1 Sternanis
1 Lorbeerblatt
5 Pimentkörner
etwas Bio-Orangenschale
1/2 Stange Lauch (nur das Weiße und Hellgrüne), in Ringe geschnitten
50-60 g Butter, eiskalt
1-2 TL Pernod
1 Spritzer Limettensaft, frisch
Gemüse
1 Fenchelknolle, groß, in feine Spalten geschnitten
40 g Butter
1 Prise Zucker
1/2 Sternanis
100 g Urkarotten und Minirüben
1 Prise Salz
Molekulare Akzente & Gelee
100 ml Zitronensaft, frisch
etwas Zuckersirup
0,5-0,8 g Alginat, mit der Zitronenbasis gemixt
5 g Kalziumlaktat, aufgelöst in 500 ml Wasser
alternativ: fertige „Flavour Pearls“ aus dem Feinkostladen
einige Safranfäden
etwas Orangensaft, frischgepresst
etwas Limettensaft frischgepresst
etwas Limettenschale
einige rosa Pfefferbeeren
etwas Zitronengras
2,2 g Agar Agar
Dekorationsideen (nach eigenem Gusto)
eine Handvolllila Knoblauchblüten, Schafgarbe und Seefenchel
1-2 EL Kapern, frittiert
Zubereitung
Fisch
1. Den Steinbutt filetieren und portionieren. Viel Butter aufschäumen lassen, (Beurre moussant) Thymian und Knoblauch hinzugeben und den Fisch bei mittlerer Hitze sanft damit arrosieren (übergiessen), bis er glasig ist.
2. Für den Sous-vide-Pulpo die Tentakel für ca. 5 Stunden bei 77 °C mit Olivenöl, Lorbeer, Piment und einer Prise Meersalz garen. Vor dem Servieren nur noch in einer sehr heißen Pfanne kurz scharf anbraten.
3. Die Rotbarbe filetieren und auf der Hautseite kurz und heiß anbraten, damit sie kross wird, während das Fleisch saftig bleibt.
Krustentier-Bouillabaisse
1. Karkassen von Hummern, Langustinen oder Garnelen sowie die Abschnitte des Steinbuttes und der Rotbarbe werden gründlich gewaschen und sehr klein gebrochen. Je kleiner die Teile, desto mehr Oberfläche zur Aromaabgabe. In einem großen Topf mit neutralem Öl (z.B. Traubenkernöl) die Karkassen bei hoher Hitze intensiv rösten. Sie müssen eine tiefrote Farbe annehmen, dürfen aber nicht schwarz werden, da die Sauce sonst bitter schmeckt.
2. Für das Mirepoix fein gewürfelte Schalotten, Fenchel, Staudensellerie und Karotten hinzufügen, anschließend mit einem hochwertigen Tomatenmark tomatisieren und kurz mitrösten.
3. Zuerst mit einem trockenen Weißwein ablöschen und fast vollständig einkochen lassen. Dieser löst den Bodensatz. Danach mit einem kräftigen Schuss Cognac flambieren. Mit eiskaltem Wasser oder einem sehr leichten Fischfond auffüllen, sodass die Karkassen gerade wieder bedeckt sind.
4. Thymian, Lorbeer, Pimentkörner, Pfefferkörner und ein wenig Sternanis sowie etwas Orangenschalen und Lauch hinzugeben.
5. Der Fond sollte maximal 20 bis 40 Minuten leicht simmern. Kocht man Krustentierkarkassen zu lange, lösen sich Kalkstoffe aus den Panzern, was den Fond trüb und sandig schmecken lässt. Nach dem Garen zuerst durch ein grobes Sieb, dann durch ein feines Haarsieb (Spitzsieb) und schließlich durch ein Passiertuch (Etamin) geben, um jedwede Trübung zu entfernen.
6. Den klaren Fond nun stark einkochen (reduzieren), bis er eine sirupartige Konsistenz und einen extrem konzentrierten Geschmack erreicht hat. Kurz vor dem Servieren den Fond mit kalten Butterwürfeln aufmontieren (emulgiert), mit Pernod parfümieren und mit einem Spritzer Limettensaft finalisieren.
Gemüse
Alle Gemüse werden separat vakuumiert, um die Eigenaromen und Farben zu erhalten. Den Fenchel mit Butter, einer Prise Zucker und Sternanis garen, die Ur-Karotten und Rüben lieber puristisch mit etwas Salz und Butter vakuumieren, sodass ihr natürlicher Zucker im Beutel karamellisiert.
Molekulare Akzente & Gelee
1. Zitronenperlen (Spherification) sorgen für eine explosionsartige Frische im Mund. Um sie herzustellen Zitronensaft mit etwas Sirup und Alginat mischen und die Masse tropfenweise in ein Bad aus Kalziumlaktat gegeben. Es bildet sich sofort eine feine Membran. Danach in klarem Wasser abspülen. Für den Hausgebrauch oder bei Zeitmangel können alternativ hochwertige Zitronen- oder Limetten-„Flavor Pearls“ im Feinkosthandel bezogen werden.
2. Für das Safran-Orangen-Limetten-Gel einen Fond aus Safranfäden, Orangen- und Limettensaft, Limettenschalen, rosa Pfeffer und Zitronengras mit Agar-Agar aufkochen (Mischverhältnis ca. 1,5 g auf 100 ml) und abpassieren. Die Flüssigkeit gelieren lassen, bis sie fest ist, und anschließend im Hochleistungsmixer zu einem seidig-glatten, spritzfähigen Gel aufmixen.
Dekoration
Geschmacklich passen lila Knoblauchblüten, Schafgarbe, Seefenchel sowie frittierte Kapern hervorragend zu diesem Gericht.
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