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TEXT Nick Pulina | FOTO Ansitz Steinbock
„Die Seele Südtirols in einer völlig neuen Textur“, verspricht René Tschager, Küchenchef im Gourmetrestaurant La Lumosa im Ansitz Steinbock in Villanders (zwei Diamonds). „Bei diesem Gericht wird der traditionelle Schlutzkrapfen in seine geschmacklichen und kulturellen Grundbestandteile zerlegt. Statt des klassischen Nudelteigs bildet gekeimter und lacto-fermentierter Roggen als elegantes Risotto das Fundament. Die Füllung und die Garnitur – Spinat, Parmesan, Ei und Schnittlauch – kehren in hochmodernen Aggregatzuständen auf den Teller zurück. Das tiefgründige Chutney aus schwarz fermentierten Schalotten und Knoblauch sowie die frische Sonnenblumenkresse runden diese komplexe Kreation perfekt ab.“ Wenn Ihnen jetzt auch das Wasser im Mund zusammenläuft, haben wir gute Nachrichten für Sie. Mit guter Vorbereitung und etwas Zeit (planen Sie für die Fermentation etwa neun bis 13 Tage ein), können Sie sich diese außergewöhnliche Interpretation der Schlutzkrapfen auch in der heimischen Küche zaubern. Viel Spaß beim Nachkochen!

Zutaten (für 4 Personen):
Das fermentierte Roggen-Risotto
200 g ganze, ungeschälte Roggenkörner (Bio-Qualität)
Salzlake (2% Salzgehalt: 20 g unjodiertes Salz auf 1 Liter Wasser)
1 Schalotte, feingewürfelt
50 ml Weißwein, trocken
ca. 400 ml milder Gemüsefond, heiß
20 g Butter, kalt
20 g Parmesan, fein gerieben
Das Niedertemperatur-Wachtelei
4 Wachteleier, frisch
etwas Salz
Die Spinat-Espuma
250 g Blattspinat, frisch
100 ml Sahne
50 ml Vollmilch
1 Prise Salz, weißer Pfeffer und frisch geriebene Muskatnuss
Ausrüstung: iSi-Gourmet-Siphon & 2 Kapseln (N₂O)
Chutney von schwarz fermentierten Schalotten & Knoblauch
100 g schwarz fermentierte Schalotten (Black Shallots)
3 Zehen schwarz fermentierter Knoblauch (Black Garlic)
1 kleine Schalotte, frisch
1 EL Rohrzucker, braun
60 ml Aceto Balsamico di Modena (gute Qualität)
ca. 50 ml Gemüsefond, mild
1 Prise Salz und eine feine Messerspitze Cayennepfeffer
Der Mikrowellen-Parmesan-Crumble
80 g Parmesan, vom Stück frisch gerieben
Das intensive Schnittlauchöl
1 Bund Schnittlauch, frisch
100 ml neutrales Pflanzenöl (z.B. Traubenkern- oder Rapsöl)
Das Anrichten und Finish
frische Sonnenblumenkresse
Zubereitung
1. Das fermentierte Roggen-Risotto
- Das Keimen (Ansetzen ca. 9 bis 13 Tage vor dem Servieren): Die Roggenkörner in ein feines Sieb geben und gründlich abspülen. Das Sieb bei Raumtemperatur aufstellen, die Körner leicht mit Wasser besprühen und mit einem sauberen, feuchten Tuch abdecken. Für 2 bis 3 Tage keimen lassen. Dabei die Körner regelmäßig kontrollieren: Sobald das Tuch trocknet, erneut mit einem Wasserspritzer befeuchten. Diesen Vorgang wiederholen, bis die Keimlinge eine Länge von etwa 1 bis 2 cm erreicht haben.
- Die Fermentation: Die gekeimten Roggenkörner aus dem Sieb nehmen und in ein steriles Fermentationsglas schichten. Mit einer zweiprozentigen Salzlake vollständig auffüllen, sodass alle Körner bedeckt sind. Das Glas verschließen (idealerweise mit einem Gäraufsatz) und bei Raumtemperatur für ca. eine Woche bis maximal 10 Tage fermentieren lassen, bis sich eine feinsäuerliche, balancierte Note entwickelt hat. Vor der finalen Zubereitung die Körner durch ein Sieb abgießen und kurz kalt abbrausen.
- Die Zubereitung als Risotto: In einem Topf die gewürfelte Schalotte in etwas Butter glasig dünsten. Die gekeimten und fermentierten Roggenkörner dazugeben und kurz mit anschwitzen. Mit dem Weißwein ablöschen und diesen vollständig einkochen lassen. Anschließend nach und nach unter ständigem Rühren den heißen Gemüsefond angießen, genau wie bei einem klassischen Risotto. Da der Roggen durch das Keimen und Fermentieren bereits perfekt aufgeschlossen ist, benötigt er nur eine kurze Garzeit, behält jedoch einen wunderbaren, knackigen Biss. Zum Schluss den Topf vom Herd nehmen, die kalte Butter und den Parmesan unterrühren (montieren), bis das Risotto cremig bindet.
2. Das Niedertemperatur-Wachtelei
Die Wachteleier im Sous-Vide-Wasserbad oder im Dampfgarer bei exakt 64 °C für ca. 20 bis 22 Minuten auf Niedertemperatur garen. Bei dieser Temperatur gerinnt das Eigelb zu einer perfekt cremigen, wachsweichen Textur (Onsen-Stil), während das Eiweiß zart bleibt. Nach dem Garen die Eier vorsichtig abschrecken. Vor dem Anrichten werden sie behutsam gepellt.
3. Die Spinat-Espuma
Den Blattspinat in kochendem Salzwasser für 30 Sekunden blanchieren, sofort in Eiswasser abschrecken (so bleibt das intensive Grün perfekt erhalten) und gut ausdrücken. Den Spinat zusammen mit der Sahne, der Milch und den Gewürzen im Hochleistungsmixer absolut fein pürieren. Die Masse durch ein feines Haarsieb passieren, damit keine Fasern den Siphon verstopfen. Die Flüssigkeit in den iSi-Siphon füllen, zwei Kapseln aufschrauben, kräftig schütteln und den Siphon im warmen Wasserbad bei ca. 50 °C einsatzbereit halten.
4. Chutney von schwarz fermentierten Schalotten & Knoblauch
Die frische Schalotte fein würfeln und in einem kleinen Topf mit minimal etwas Pflanzenöl farblos anschwitzen. Den brauner Rohrzucker dazugeben und leicht karamellisieren lassen. Die schwarz fermentierten Schalotten und den fermentierten Knoblauch fein hacken bzw. zerdrücken und in den Topf geben. Mit dem Aceto Balsamico ablöschen und den Gemüsefond hinzugeben. Bei milder Hitze langsam einkochen lassen, bis die Flüssigkeit fast vollständig reduziert ist und ein glänzendes, tiefdunkles, sirupartiges Chutney entsteht. Mit einer Prise Salz und Cayennepfeffer harmonisch abschmecken (süß-sauer-würzig). Für eine besonders edle Textur im Gourmet-Bereich das Chutney im kleinen Mixer kurz cremig anpürieren.
5. Der Mikrowellen-Parmesan-Crumble
Ein Stück Backpapier auf einen mikrowellengeeigneten Teller legen. Den fein geriebenen Parmesan gleichmäßig und dünn kreisförmig auf dem Papier verteilen. Den Teller in die Mikrowelle stellen und bei hoher Stufe (ca. 800 Watt) in Intervallen von 45 bis 60 Sekunden backen, bis das Fett austritt und der Käse goldgelb schäumt. Aus der Mikrowelle nehmen, vollständig abkühlen und auf Küchenpapier entfetten lassen. Sobald der Parmesan-Chip komplett ausgehärtet ist, im Mörser oder mit den Händen zu einem knusprigen, unregelmäßigen Crumble zerstoßen.
6. Das intensive Schnittlauchöl
Den Schnittlauch grob schneiden und zusammen mit dem Öl in einen Hochleistungsmixer geben. Auf höchster Stufe für ca. 3 bis 4 Minuten mixen. Durch die Reibung erwärmt sich das Öl leicht, wodurch das Chlorophyll und das intensive Aroma des Schnittlauchs optimal extrahiert werden. Das tiefgrüne Öl durch ein feines, mit einem Passiertuch ausgekleidetes Sieb langsam ablaufen lassen und in eine kleine Dosierflasche füllen.
7. Das Anrichten und Finish
In der Mitte eines tiefen, vorgewärmten Gourmet-Tellers einen großzügigen Löffel des heißen, cremigen Roggen-Risottos platzieren. In die Mitte des Risottos eine kleine Mulde drücken und das behutsam gepellte Niedertemperatur-Wachtelei hineinsetzen. Das Ei ganz leicht salzen. Direkt daneben die warme, luftige Spinat-Espuma aus dem Siphon aufsprühen.
Zwei bis drei feine Tupfen oder einen kleinen Nocken des tiefdunklen, glänzenden Schalotten-Knoblauch-Chutneys elegant am Risotto-Rand und nahe dem Ei platzieren. Das gesamte Gericht großzügig mit dem knusprigen Parmesan-Crumble bestreuen und mit einigen präzisen Tropfen des leuchtend grünen Schnittlauchöls kunstvoll umträufeln. Zum Schluss das Gericht mit filigraner, frischer Sonnenblumenkresse ausdekoriereun, die eine nussig-frische Note einbringt. Sofort servieren.
Anmerkung aus der Küche:
„Das dunkel fermentierte Schalotten-Knoblauch-Chutney bringt die nötige Tiefe und reife Umami-Süße ins Spiel, die wunderbar mit dem erdigen, fermentierten Roggen harmoniert. Die Sonnenblumenkresse bricht das Gericht optisch wie auch geschmacklich mit einer knackigen, nussigen Frische auf – ein wahrer Meilenstein für die Schlutzkrapfen 2.0.“
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