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TEXT Nick Pulina | FOTO Matthaes / Pieter D’Hoop
Was kann es an einem kühlen Herbstabend Schöneres geben als ein perfekt gegartes Stück Lamm? Doch schon beim Einkauf beginnen die Fragen: Ist irisches Lammfleisch die beste Wahl? Oder sollte man doch lieber zu neuseeländischem greifen? Unser Vorschlag: Nehmen Sie deutsches, genauer gesagt bayerisches Lamm. Denn im kleinen Örtchen Neuhofen ist mit dem Gutshof Polting einer der wohl besten Lammfleischerzeuger des ganzen Landes zu Hause. Und das sehen längst nicht nur wir so. Christian Bau, Küchenchef von Victor’s Fine Dining in Perl (fünf Diamonds), hat dem Lamm von Franz „Franz’l“ Riederer sogar ein eigenes Rezept in seinem neuen Kochbuch Paris – Tokyo gewidmet. Das Schönste daran: Wir dürfen es Ihnen an dieser Stelle verraten und wünschen viel Spaß beim Nachkochen!

Zutaten (für 4 Personen):
Lamm
4 Stücke Lammrücken, ausgelöst (à 180 g mit Fettdecke, 14 Tage am Knochen gereift, am besten vom Gutshof Polting)
2 EL Sonnenblumenöl
50 g Butter
3 Knoblauchzehen
3 Zweige Thymian
Salz, Pfeffer
Schnittlauchcreme
6 große Bund Schnittlauch
Schnittlauchmousseline
2 EL Schnittlauchcreme (s. o.)
70 g helle Misopaste
2 Eier
1 Eigelb
1 EL Shiro-Dashi
200 g Butter
50 g Schnittlauchöl
Perlzwiebel
8 Perlzwiebeln (Ø 2–2,5 cm)
200 g Pickles-Fond
Lammjus
Je 50 g Karotten und Stangensellerie
Je 70 g Schalotten und Champignons
60 g Sonnenblumenöl
1 Knoblauch
1 kg Lammschulter
2 Lorbeerblätter
10 weiße Pfefferkörner
5 Wacholderbeeren
Je 150 g Madeira und roter Portwein
100 g Noilly Prat
50 g Sherry
1,2 kg Kalbsjus
Xantana
50 g gekühltes Olivenöl
Salz, Pfeffer
Gnocchi
550 g mehligkochende Kartoffeln (am besten Melody)
75 g frisch geriebener Parmesan
60 g Eigelb
1 EL Ricotta
1½ EL Kartoffelstärke
150 g Semola
40 g Butter
Salz, Pfeffer, frisch geriebene Muskatnuss
Teardroperbsen
150 g frische Teardroperbsen (am besten aus Spanien; ersatzweise deutsche Erbsen, gepalt, blanchiert und gehäutet)
Je 1 EL Sonnenblumen- und Schnittlauchöl
Fleur de Sel, weißer Pfeffer
Morcheln
1 Schalotte
48 Morcheln
50 g Butter
3 EL Sherry
5 EL weißer Portwein
100 g Geflügelfond
Salz, weißer Pfeffer
Garnitur
80 g Pilzcreme
Pfefferkörner
Anrichten
8 TL Schnittlauchöl
1 Schale Affilakresse
Fleur de Sel
Zubereitung
1. Lamm
Die Fettdecke des Lammrückens bis auf 3 mm parieren. Die dünne Fettschicht anschließend rautenförmig ein- aber nicht durchschneiden. Das Fleisch mit Salz und Pfeffer bestreuen, das Öl in einer Pfanne erhitzen. Das Fleisch rundherum, primär jedoch auf der Fettseite, anbraten. Dann bei 200 °C im Ofen 3 Minuten weitergaren. Im Wärmeofen bei 63 °C mindestens 30 Minuten ruhen lassen. In einer Pfanne die Butter aufschäumen lassen. Den Knoblauch in der Schale andrücken, mit dem Thymian in die Butter legen. Damit das Lamm arrosieren, bis es eine Kerntemperatur von 53 °C erreicht. Das Fleisch im Wärmeofen weitere 10 Minuten ruhen lassen. Kurz vor dem Servieren die Fettseite auf einer Grillplatte knusprig nachbraten.
2. Schnittlauchcreme
Am Vortag den Schnittlauch verlesen, blanchieren und im PacoJet-Behälter 24 Stunden einfrieren. Dann pacossieren, im Becher wieder glatt verstreichen. Diesen Vorgang noch einmal wiederholen.
3. Schnittlauchmousseline
Schnittlauchmatte mit Misopaste, sämtlichem Ei und Shiro-Dashi in einem hohen Gefäß mit einem Stabmixer pürieren. Die Butter erhitzen, bis sie gerade zu schäumen beginnt. Nun bei laufendem Stabmixer in einem dünnen Strahl in die Schnittlauchmasse laufen lassen und emulgieren. Mit dem Schnittlauchöl wiederholen. Das Ganze durch ein Spitzsieb passieren. In einen iSi-Siphon (0,5 l) füllen und mit zwei Kapseln begasen. Vor dem Servieren in einem Wasserbad auf etwa 50 °C erwärmen.
4. Perlzwiebel
Am Vortag die Perlzwiebeln schälen und in ein sterilisiertes Einmachglas legen. Den Fond zum Einlegen aufkochen lassen, siedend heiß über die Perlzwiebeln gießen. Das Glas verschließen und die Zwiebeln mindestens 12 Stunden durchziehen lassen. Anschließend aus dem Glas nehmen, abtropfen lassen und halbieren. Die Schnittfläche mit einem Bunsenbrenner abflämmen. Die Zwiebelschichten vorsichtig voneinander trennen.
5. Lammjus
Das Gemüse und die Pilze schälen oder putzen, jeweils in haselnussgroße Stücke schneiden und im Öl anbraten. Die Lammschulter grob parieren, ebenfalls in haselnussgroße Stücke schneiden, beim Gemüse mitbraten. Die Gewürze zufügen, mit dem Alkohol nach und nach ablöschen und vollständig reduzieren. Anschließend mit der Kalbsjus auffüllen und 3 Stunden leicht sieden lassen. Die Jus passieren, auf 400 g reduzieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Jus mit Xantana binden. Kurz vor dem Servieren das gekühlte Olivenöl mithilfe eines Schneebesens unterschlagen.
6. Gnocchi
Die Kartoffeln durch ein Sieb passieren. Mit den restlichen Zutaten von Hand eine Kartoffelmasse erstellen, diese mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss verfeinern. Die Kartoffelmasse mit den Händen und mithilfe einer Essgabel – oder auf dem Gnocchibrett – zu gleichmäßigen Gnocchi formen; es werden 48 Stück benötigt. Diese in siedendem gesalzenem Wasser etwa 5 Minuten garen. Die Gnocchi in einer Pfanne mit etwas Butter schwenken und gegebenenfalls nachsalzen.
7. Teardroperbsen
Die Erbsen palen und blanchieren. Mit etwas Öl benetzen und im Kugelsieb 60–90 Sekunden auf einem Binchotangrill über der Glut grillen. Dabei die Erbsen immer wieder schwenken, sodass sie gleichmäßig garen. Die angewärmten Erbsen mit Schnittlauchöl marinieren und mit Fleur de Sel sowie Pfeffer abschmecken.
8. Morcheln
Die Schalotte schälen und in kleine Würfel schneiden. Die Morcheln vom Stiel befreien und gründlich mit Wasser vom Sand befreien. In einer Salatschleuder trocken schleudern. Die Butter in einer antihaftbeschichteten Pfanne aufschäumen lassen. Darin die Schalotte glasig andünsten. Die Morcheln mitdünsten. Mit Sherry und Portwein ablöschen, zur Hälfte reduzieren. Den Geflügelfond einrühren. Bei aufgelegtem Deckel die Morcheln etwa 1 Minute garen. Den Fond durch ein Sieb abgießen, sirupartig einreduzieren. Die Morcheln darin glasieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
9. Garnitur
Die Pilzcreme auf Raumtemperatur temperieren. Die Pfefferkörner zerstoßen.
10. Anrichten
Jeweils 6 geschwenkte Gnocchi in eine schräg nach oben laufenden Reihe in der Mitte des Tellers platzieren. Die Erbsen mithilfe eines Metallrings halbkreisförmig daneben anrichten. Morcheln auf Gnocchi und Erbsen legen, mit Affilakressespitzen garnieren. Die Pilzcreme rechts daneben aufspritzen und mithilfe eines Löffelrückens tränenförmig ziehen. Stücke vom Lammrücken halbieren, mit Fleur de Sel und gestoßenem Pfeffer be- streuen. Bündig unterhalb der Gnocchi legen. Die Perlzwiebelhäute dekorativ dazu platzieren und mit etwas Schnittlauchöl füllen. Abschließend Lammjus um das Fleisch ziehen und links etwas Schnittlauchmousseline aufspritzen. Sofort servieren. Mehr von Lammjus und Schnittlauchmousseline à part reichen.

Paris – Tokio.
Matthaes (Hrsg.), Christian Bau
352 Seiten, April 2026
ISBN 978-3-98541-077-4
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