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Hoch über dem Kraichgau erhebt sich die Burg Ravensburg. Seit Jahrhunderten prägt sie die Landschaft – und den Weinbau der Region. Im Juni feierte das VDP.Weingut Burg Ravensburg gemeinsam mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien sein 775-jähriges Jubiläum und blickte auf eine außergewöhnliche Geschichte zurück, die bis ins Hochmittelalter reicht. Mit einer riesigen Agrardrohne, die normalerweise für die Weinbergsarbeit eingesetzt wird, enthüllte das Weingutsteam einen verzierten Jubiläumsstein im Rebhang unter der Burg.
„775 Jahre Weinbau an einem Ort stehen für Generationen von Menschen, die diesen besonderen Landschaftsraum geprägt und bewahrt haben“, sagt der geschäftsführende Winzer Claus Burmeister. Patrick Jacklin, dritte Generation der Inhaberfamilie der Heitlinger Genusswelten, zu denen das Weingut heute gehört, ergänzt: „Ich bin sehr stolz, dass unsere Familie diese Geschichte fortschreiben kann und freue mich, dieses besondere Erbe des Weinguts für kommende Generationen zu bewahren.“
Burg Ravensburg übersteht Bauernkrieg, Verwüstung und Dreißigjährigen Krieg
Bereits 1251 wurde der Weinbau rund um die Burg Ravensburg erstmals urkundlich erwähnt. Der Ritter Bertoldus erhielt damals den Beinamen Göler von Ravensburg (Golere de Raphensberg) – seine Familie lenkte die Geschicke der Burg durch die Jahrhunderte.
Die Geschichte der Burg Ravensburg liest sich wie ein Spiegel deutscher Geschichte. Bernhard Göler hatte Martin Luther 1521 zusammen mit mehreren Kraichgauer Rittern auf dem Reichstag zu Worms erlebt und schon ein Jahr später die Reformation in Sulzfeld eingeführt. Das könnte dazu beigetragen haben, dass die Burg Ravensburg während des Bauernaufstands im Kraichgau keinen Schaden nahm. Wenige Jahrzehnte später wurde sie jedoch im Zuge konfessioneller Auseinandersetzungen eingenommen, geplündert und verwüstet – die Gölers hielten am Protestantismus fest und unterlagen den Rechtgläubigen des Kaisers Karl V. (1547). Etwa 70 Jahre später begann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), der im Kraichgau eine nahezu entvölkerte Landschaft hinterließ. Ganze Landstriche mussten anschließend neu besiedelt werden.
Die kleine Eiszeit – Beharrlichkeit und Resilienz zahlen sich aus
Hinzu kamen Jahrhunderte klimatischer Extreme. Über das Schicksal des Weinbaus im Kraichgau liegen daher aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert keine verlässlichen Angaben vor. Die Warmzeit, die im Hochmittelalter zu einer Verschiebung der Weinbaugrenze nach Norden und einer Ausdehnung der Rebfläche geführt hatte, war seit dem 15. Jahrhundert von einer sogenannten „kleinen Eiszeit“ abgelöst worden. Diese sollte noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dauern, wobei die Jahre von 1570 bis 1630 sowie nochmals von 1675 bis 1715 besonders kalte Perioden bildeten. Für den Weinbau waren das die härtesten Zeiten seit Jahrhunderten. Dennoch blieb der Weinbau an den Hängen rund um die Burg Ravensburg bestehen.
„Die Geschichte unseres Weinguts zeigt eindrucksvoll, dass große Weinlagen und große Weine immer auch von Beharrlichkeit und Resilienz leben. Wetterextreme gab es schon immer. Demut vor Boden und Klima sind in der Landwirtschaft stets angebracht“, sagt Claus Burmeister, der das Weingut Burg Ravensburg heute in zweiter Generation führt. „Viele Generationen vor uns haben dafür gesorgt, dass diese Kulturlandschaft bis heute erhalten geblieben ist.“


Die Legende der Husarenkappe
Zu den bekanntesten Geschichten des Weinguts gehört die Entstehung der heutigen VDP.GROSSEN LAGE Husarenkappe. Ende des 18. Jahrhunderts nahmen überall in Deutschland die Bestrebungen zu, den Weinbau auf neue Höhen zu führen. Der Überlieferung nach soll Benjamin Göler von Ravensburg im Jahr 1782 Riesling-Reben von Markgraf Carl Friedrich von Baden erhalten haben. Da geeignete Transportmöglichkeiten fehlten, soll der Husarenoffizier die Setzlinge kurzerhand in seiner Uniformmütze – einer Husarenkappe – nach Sulzfeld gebracht haben. Dort wurden sie an den Südhängen unterhalb der Burg gepflanzt.
Qualitätsweinbau seit über 200 Jahren
Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1821. Bereits damals wurden an den Hängen der Burg Ravensburg gezielt Riesling, Burgunder und Traminer gepflanzt. Das war der Beginn des Qualitätsweinbaus im Kraichgau. Damit begann eine Entwicklung, die das Weingut bis heute prägt: Der konsequente Fokus auf hochwertige Rebsorten und herausragende Lagen. Zu den historischen Spitzenlagen gehören heute die VDP.GROSSEN LAGEN Husarenkappe, Dicker Franz und Löchle. Ihre kalkhaltigen Böden und exponierten Hanglagen zählen zu den besten Weinbergen des Kraichgaus.
Vom Traditionsweingut zum biodynamischen Spitzenbetrieb
Mit Blick auf die wegen der Reblaus unausweichliche Umstellung auf „neuzeitlichen Weinbau“ spielte das Rentamt in Sulzfeld eine zentrale Rolle. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Rebflächen rings um die Burg Ravensburg in die Anbauversuche mit veredelten sowie mit Unterlagsreben eingezogen. Der badische Weinbaudirektor Karl Müller erteilte im Januar 1912 eine erste „Genehmigung für Anbauversuche mit Amerikanerreben“. So wurde 1913 in der Lage „Löchle“ eine Parzelle z.B. mit Riesling, Gutedel, Ruländer, Traminer und Portugieser neu angelegt. 1920 wurden zudem unveredelte Lemberger-Reben gepflanzt. Schon in den 1920er Jahren war ein Teil der „Löchle“ und „Dicker“ genannten Rebflächen an der Burg mit veredelten Reben bestockt. Auch für die 1930er Jahre lassen sich Neupflanzungen mit Burgunder und Riesling nachweisen.
Den Grundstein für die moderne Entwicklung legte schließlich Hubertus Burmeister, der das Weingut ab 1954 führte und maßgeblich ausbaute. Er erkannte damals, dass gut gepflegte Weinberge, bestückt mit Qualitätssorten, auf Dauer gesehen eine höhere Rendite bringen als große Rebflächen, die nur mit Mühe und großem Aufwand ordnungsgemäß bewirtschaftet werden können. Anschluss an den Spitzenweinbau in Deutschland fand das Weingut Burg Ravensburg schließlich Ende des 20. Jahrhunderts. 1986 war in Baden ein VDP-Regionalverband wiederbegründet worden. Das Weingut Burg Ravensburg gehörte zu den Gründungsmitgliedern.
Mit Schafen und Drohen
1996 übernahm schließlich Hubertus Burmeisters Sohn Claus die Verantwortung und entwickelte Burg Ravensburg in den folgenden Jahrzehnten zu einem der führenden, biodynamisch bewirtschafteten Weingüter Deutschlands. „Gemeinsam mit dem Schwesterweingut Heitlinger bilden wir das größte, privatgeführte, biodynamische Weinguts-Tandem in Deutschland. In diesem Zusammenhang setzen wir auch auf tierische Unterstützung zwischen den Reben. Schafe helfen uns bei der Weinbergsarbeit – sie fungieren zum Beispiel als „Rasenmäher“ in der Zwischenbegrünung. Zudem setzen wir modernste Technik ein. Drohnen sorgen bei uns mittlerweile für den Pflanzenschutz. So interpretieren wir zeitgemäße Landwirtschaft im Herzen Badens.“
Das Konzept schlägt sich in der Weinqualität nieder und findet Anerkennung. Anfang 2026 wurde Claus Burmeister als „Weingutsleiter des Jahres“ (>>) ausgezeichnet – ein weiterer Höhepunkt in der 775jährigen Historie des Weinguts Burg Ravensburg.
Ein großes Dankeschön an Autor und Historiker Dr. Daniel Deckers, der die Geschichte des Weinbaus rund um die Burg Ravensburg im Auftrag von Claus Burmeister und den Inhaberfamilien Heiler und Jacklin erforscht hat.
Titelfoto (v. l. n. r.): Patrick und Philipp Jacklin, Warren und Christine Jacklin, Claus Burmeister und Finn Jacklin






