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NEXT GENERATION 2026: Johanna Bernhart im Interview – puristisch, naturnah, voller Entdeckerlust

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Die Next Generation 2026 steht für Aufbruch, Haltung und neue Impulse im deutschen Weinbau. Gemeinsam mit Experten und regionalen Verbänden haben wir für den HENRIS Weinguide 2026 die spannendsten Nachwuchswinzerinnen und -winzer ausgewählt, die Tradition mit zeitgemäßen Ideen verbinden.
Heute im Porträt: Johanna Bernhart vom Privatweingut Schlumberger-Bernhart  aus Baden.

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Zuhause in der südwestlichsten Ecke der deutschen Anbaugebiete: im badischen Markgräflerland, diesem lieblichen Landstrich zwischen Freiburg im Breisgau und Basel in der Schweiz. Hier bewirtschaftet die Familie heute knapp 10 Hektar, das Weingut gibt es seit 1723. Johanna ist nach ihrem Studium in Weinbau und Önologie im Jahr 2022 eingestiegen. Ihr ist es sehr wichtig, dass die Weinberge auch künftig so naturnah wie möglich bewirtschaftet werden – der Betrieb ist FairChoice-zertifiziert und befindet sich gerade (wieder) in der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Die Weine werden in kleinen und großen Holzfässern mit weinbergseigenen Hefen spontan vergoren – Gutsweine im Edelstahl. Der Fokus des Betriebs liegt weiter auf Burgundersorten und Gutedel. Der Purismus, den die Weine sicher auch durch Johannas Einfluss mit dem 2023er Jahrgang präsentieren, hat uns mehr als gut gefallen.

Johanna, welche Werte und Prinzipien leiteten dich bei deiner Arbeit als Winzerin?

Verantwortung und Respekt für Boden, Klima, Menschen und die Generationen nach uns. Ich versuche, flexibel zu bleiben und der Natur zu vertrauen. Man kann viel planen, aber am Ende macht sie eh ihr Ding. Dann heißt es reagieren, nicht dagegen anarbeiten. Am Ende ist’s Wein, er soll Spaß machen. 

Wo, mit was inspirierst du dich für Neues? 

Ich lass mich einfach treiben und bleibe offen. Verkoste Weine, die anders sind, rede mit Leuten, die anders arbeiten, und schau, was hängen bleibt. 

Was machst du anders als deine Eltern? 

Mein Vater hat sehr viel aufgebaut, viel Erfahrung und ein gutes Gefühl dafür, was funktioniert. Ich hinterfrage vielleicht mehr, probiere Dinge aus und versuche, nicht alles nur so zu machen, weil es immer schon so war. Die Richtung bleibt dieselbe, nur der Weg darf manchmal freier, wilder sein. Er sorgt für Stabilität, ich bringe ein bisschen Spannung rein. Zusammen macht das unseren Stil aus. 

Wie gehst du mit den Herausforderungen im deutschen Weinbau im Allgemeinen um und wo siehst du hier eine Chance zur Veränderung? 

So gut es geht: mit Gelassenheit. Ich mag es überhaupt nicht, wenn in unserer Bubble ständig gejammert wird. Klar, Wetter, Bürokratie, Markt – alles ist nie perfekt. Aber man arbeitet damit, passt sich an und bleibt flexibel. Das zwingt einen auch, kreativ zu bleiben. 

Welche Trends und Entwicklungen beobachtest du, die deiner Meinung nach besonders relevant sind? 

Ich sehe, dass immer mehr junge Winzerinnen und Winzer den Mut haben, ihre eigene Sprache zu sprechen. Weniger glatt, weniger Kitsch, mehr Charakter, wilder, ehrlicher. Es geht wieder mehr um Natur, Herkunft und Persönlichkeit. Man merkt wieder mehr, woher der Wein kommt und wer ihn macht. 

Wie findest du die Balance zwischen deinem Beruf und deinem persönlichen Leben?

Gar nicht so leicht. Wein und Genuss sind überall – im Beruf, im Alltag, im Freundeskreis, in der Familie. Da muss ich mich manchmal bewusst bremsen, sonst läuft’s 24/7 im Kopf weiter. 

Was war der Schlüsselmoment für dich, Winzerin zu werden? 

Einen Schlüsselmoment gab’s eigentlich nicht. Mir war lange gar nicht klar, dass ich Winzerin werden will. Meine Eltern haben da nie Druck gemacht, also habe ich einfach gedacht: Ich probier’s mal aus, wenn’s nichts ist, mach ich was anderes. Im Studium habe ich dann gemerkt, dass ich beim Wein bleiben will. 

Welche persönlichen Leidenschaften oder Interessen außerhalb des Weinbaus beeinflussen deine Arbeit? 

Alles, was mich ein bisschen raus aus der Wein-Bubble holt: Musik, Festivals, Reisen, Gespräche mit Leuten, die nichts mit Wein am Hut haben. Das bringt neue Perspektiven und holt einen wieder auf den Boden der Tatsachen.