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TEXT Kerstin Böhning I Titelfoto Weingut Clauß
Die Next Generation steht für Aufbruch, Neugier und neue Ideen im deutschen Weinbau. Für den HENRIS Weinguide 2026 porträtieren wir die spannendsten Nachwuchswinzerinnen und -winzer, die Tradition mit zeitgemäßen Ansätzen verbinden.
Diese Woche im Porträt: Carlo Clauß vom Weingut Clauß am südlichen Zipfel Badens – mit frischem Burgunder-Fokus, Experimentierfreude im Keller und Blick über die Grenzen.
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Sicher ein großes Glück für den Betrieb von Berthold Clauß, dass Sohn Carlo nach seiner ersten Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker doch noch die Leidenschaft für Wein und Weinbau entdeckt hat. Glück auch für Freundinnen und Freunde ausgezeichneter Burgunderweine aus Baden. Die Weine des Vater-Sohn-Gespanns am südlichen Zipfel der Republik zwischen Schaffhausen und Zürich profitieren vor allem vom milden Klima von Rhein und Bodensee. Carlo hat seine Ausbildung zum Winzer im Weingut Dr. Heger in Ihringen am Kaiserstuhl absolviert und in zwei Jahren an der Technikerschule für Weinbau und Oenologie in Weinsberg sein Wissen fundiert. Neue Impulse, das eine oder andere Experiment im Keller sind im Weingut Clauß deutlich spürbar. Bald möchte Carlo mehr praktische Erfahrungen im Ausland sammeln, um seinen Horizont zu erweitern. Wir sind gespannt!
Was fasziniert dich am Weinbau am meisten?
Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wie abwechslungsreich ein Weinjahr sein kann. Keine Entscheidung einer gut gemeisterten Situation ist auf eine neue Herausforderung genauso übertragbar. Dies bringt aber oft auch Neues, Positives hervor.
Welche Rolle spielt die Verbindung von Tradition und Innovation in deinem Weinbau?
Visionen, Flexibilität und den Mut für die Entwicklung seiner eigenen Handschrift zu haben, ist in unserer Branche unabdingbar. Grundlage für diese Innovationen sind für mich immer die Wurzeln, welche meine Großeltern 1982 hier in Nack gesetzt haben. Nur durch die Verbindung dieser Tradition und Innovation entstehen individuelle, naturverbundene Weine, die beim Kunden für Begeisterung sorgen.
Wie gehst du mit den Herausforderungen im deutschen Weinbau im Allgemeinen um und wo siehst du hier eine Chance zur Veränderung?
Gerade jetzt ist es wichtig, bewusst zu agieren. Was die Zusammenarbeit von meinem Vater und mir betrifft, so möchten wir beide die positiven Werte aus der Vergangenheit beibehalten und entsprechende Stellschrauben drehen, die es uns ermöglichen, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln können. Ich bin der Meinung, es ist der falsche Ansatz, das Rad komplett neu erfinden zu wollen.
Wie findest du die Balance zwischen deinem Beruf und deinem persönlichen Leben?
Gelegentlich fahre ich mit dem Mountainbike über unsere Weinberge an den Rhein bei uns in Nack. So kann ich die Reben aus einem anderen Blickwinkel sehen. Die Natur an den Rheinauen in unserem deutsch-schweizer Grenzgebiet ist immer eine gute Abwechslung zum Alltag.
Was war dein Schlüsselmoment, Winzer zu werden?
Besonders die vielen kleinen Schritte im Weingut haben mir schon immer gefallen – sowohl die Tätigkeiten im Weinberg als auch der individuelle Ausbau im Keller. Das ganze Jahr über gibt es etwas zu tun, das schließlich im großen Ganzen – in einem faszinierenden Wein – zusammenfließt.
Ich erinnere mich auch gerne daran, dass ich als Kind beim Weinausliefern dabei sein durfte und es toll fand, mit unterwegs zu sein. Meine Erstausbildung zum Kfz-Mechatroniker kann ich privat wie auch im Betrieb weiterhin gut einfließen lassen.
Welche persönlichen Leidenschaften oder Interessen außerhalb des Weinbaus beeinflussen deine Arbeit?
In meiner Freizeit backe ich sehr gerne Sauerteigbrot. Dessen Zubereitung hat viele Parallelen zur Weinbereitung – Natürlichkeit, Verständnis und Gespür für die Kleinstlebewesen sowie die vielen Einflussfaktoren. Es fasziniert mich jedes Mal, welche neuen Geschmacksnuancen präsent sind und dass kein Laib wie der andere ist – wirklich vergleichbar mit dem Wein.
Sonntagabends ist es schon fast ein Ritual, mit einer Scheibe noch warmem Brot, Schwarzwälder Butter und einem Glas Spätburgunder das Wochenende ausklingen zu lassen.


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