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Johannes Tesch im Interview – Freiheit wagen, Qualität leben, Riesling erleben

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Sie sind die kommende Stimme des deutschen Weins: mutig, qualitätsbewusst und voller Visionen. Im HENRIS Weinguide 2026 haben wir die spannendsten Nachwuchswinzerinnen und -winzer ausgezeichnet.

Diese Woche im Porträt: Johannes Tesch, vom Weingut Tesch – ein kritischer Geist, naturnah im Weinbau und stets bereit, neue Wege zu gehen, um Riesling mit Persönlichkeit und Handschrift zu formen.

Die zehnte und elfte Generation ist mit Martin und Johannes Tesch am Werk. Im Weingut steht der Riesling neben etwas Weiß- und Spätburgunder im Mittelpunkt – weil er die Spezifika der Region, der Lagen, der beiden Winzer am besten spiegelt. Johannes, wie auch sein Vater Martin, bewegt sich raus aus dem Mainstream mit der Freiheit – und mit dem Risiko –, die Dinge anders zu machen. Es muss nicht jedem schmecken, das macht beliebig. Erfolg kommt, wenn man Erwartungen übertrifft, sich dabei treu bleibt. Johannes Tesch ist ein kritischer Geist mit einem hohen Anspruch und mit dem Willen, den Dingen gedanklich und praktisch auf den Grund zu gehen. Die Lagen-Rieslinge der Teschs genießen einen hohen Stellenwert auf den Weinkarten der internationalen Spitzengastronomie.

Welche Werte und Prinzipien leiten dich bei deiner Arbeit als Winzer? 

Mein Ansatz ist naturnah und handwerklich konsequent. Ich arbeite eng mit dem, was die Natur – und damit unsere Weinberge – vorgibt, und versuche, durch sorgfältige Handarbeit darauf zu reagieren und das Beste aus jedem Jahrgang herauszuholen, ohne ihn zu verbiegen. 

Welche persönlichen Leidenschaften oder Interessen außerhalb des Weinbaus beeinflussen deine Arbeit? 

Inspiration finde ich vor allem in Kunst und Musik – beides spricht mich an und fordert mich heraus, Dinge neu zu denken. Oft lasse ich mich auch bewusst von anderen Branchen inspirieren, besonders wenn es um Gestaltung geht oder darum, was ein Produkt ausdrücken soll. Ein großer Impulsgeber ist auch der Austausch mit meinem Freundeskreis. Viele Ideen entstehen dabei eher nebenbei – aber genau diese Gespräche eröffnen oft neue Perspektiven auf meine Arbeit. 

Der beste Wein, den du je getrunken hast – und warum? 

Schwer zu sagen. Ich bin dankbar, dass ich durch Lehrherren und Freunde schon viele großartige Weine verkosten durfte, die mein Denken über Wein erweitert haben. Unterschiedliche Weine haben mich auf ihre eigene Art begeistert: Ein Chardonnay von Domaine Leflaive hat mir gezeigt, wie salzig, elegant und feingliedrig ein Wein sein kann. Gleichzeitig hat mir ein trockener Pfälzer Riesling vor Augen geführt, was eine ordentliche Portion Extrakt im Wein ausmacht. 

Was fasziniert dich am Weinbau am meisten? 

Die jährliche Herausforderung. In meinen bisherigen drei Jahrgängen hat kein Jahr dem anderen geglichen. Den Riesling durch diese wechselnden natürlichen Bedingungen zu begleiten, sie zu verstehen und in Einklang zu bringen, begeistert mich. Im besten Fall entsteht ein Wein, der das Jahr, den Ort und die Menschen dahinter abbildet. 

Welche Rolle spielt die Verbindung von Tradition und Innovation in deinem Weinbau? Und wie findest du deine eigene Handschrift? 

Ich arbeite gern mit dem, was mir in die Hände gegeben wurde – das heißt, mit dem, was ich im elterlichen Betrieb vorfinde. Für mich heißt das, mit Riesling weiterzuarbeiten und dabei auf Weinberge zurückzugreifen, die schon mein Großvater bestockt hat. Diese Parzellen sind die Grundlage unserer Lagen-Rieslinge. Gleichzeitig beschäftige ich mich intensiv damit, wie wir durch Innovation – etwa durch neue weinbauliche Strukturen – auf veränderte klimatische Bedingungen reagieren können, um den Riesling zukunftsfähig auszubauen. Tradition heißt für mich nicht Stillstand, sondern Weiterentwicklung. Meine eigene Handschrift entsteht gerade erst – sie formt sich mit jedem Jahrgang, durch gemachte Erfahrungen und durch bewusste Entscheidungen. 

Wie gehst du mit den Herausforderungen im deutschen Weinbau um – und wo siehst du Chancen zur Veränderung? 

Ich sehe die aktuellen Herausforderungen eher als Antrieb. Wein ist für mich mehr als ein Getränk. Wein verbindet Natur, Handwerk und Genuss auf eine einzigartige Weise. Diese Besonderheit muss wieder stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Es geht darum, zu zeigen, dass Wein kein austauschbares Konsumgut ist. Die aktuellen Entwicklungen – ob klimatisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich – fordern uns heraus, aber sie eröffnen auch die Chance, Wein wieder bewusster und nachhaltiger zu denken. Dazu gehört, sich im Weinbau neu aufzustellen, die Natur schmeckbar zu machen – aber eben nicht beliebig. Sondern mit einem klaren Verständnis von Qualität und mit ehrlicher Kommunikation gegenüber den Menschen, die unseren Wein trinken. 

Was fasziniert dich am Weinbau am meisten? 

Mich hat fasziniert, wie Wein Menschen verbindet – egal wo, egal wann. Ob er im Mittelpunkt steht, wie bei Gesprächen unter Weinverrückten, oder stiller Begleiter eines Abends ist – Wein hat diese besondere Fähigkeit. Wenn ein Wein von unserem Weingut genau das schafft, haben wir unser Ziel erreicht. 


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