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Felix Estelmann im Interview – Wein als Leidenschaft

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Sie sind die kommende Stimme des deutschen Weins: mutig, qualitätsbewusst und voller Visionen. Im HENRIS Weinguide 2026 haben wir die spannendsten Nachwuchswinzerinnen und -winzer ausgezeichnet.

Diese Woche im Porträt: Felix Estelmann vom Weingut Estelmann – ein Winzer mit Herz, Bodenhaftung und echter Hingabe.

Die Familie, das Weinmachen, die Hingabe an den Wein – oder: eine Herzensangelegenheit! „Ich lebe eigentlich komplett für den Wein. Egal ob draußen in den Weinbergen, im Keller beim Ausbau oder einfach beim Genießen eines guten Glases – Wein ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern wirklich meine Leidenschaft“, stellt sich Felix vor. Kalk, Lehm, Buntsandstein in den Lagen rund um Gimmeldingen, Haardt, Mussbach und Königsbach in der Pfalz charakterisieren die Weine der Estelmanns. Die Themen Genuss und Gastfreundschaft werden ebenfalls großgeschrieben auf dem Weingut mit dem zauberhaften Gutshof. „Neben dem Wein bin ich totaler Genussmensch – ich koche super gerne und probiere in der Küche genauso gern Neues aus wie im Glas. Für mich gehört das einfach zusammen: gutes Essen, guter Wein und gute Gesellschaft.“ Wie sympathisch und einladend. So sind sie halt, die Pfälzer!

Welche Werte und Prinzipien leiteten dich bei deiner Arbeit als Winzer? 

Für mich steht bei meiner Arbeit ganz klar die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Ich will mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie – deshalb ist die biologische Wirtschaftsweise für mich selbstverständlich. Der Wein soll so entstehen, wie er ist, ohne dass ich zu viel eingreife. Ich vertraue dabei oft auf mein Bauchgefühl und weniger auf starre Regeln. Jeder Jahrgang, jede Lage hat ihren eigenen Charakter, und genau das möchte ich im Wein spürbar machen. 

Wo, mit was inspirierst du dich für Neues? 

Inspiration finde ich eigentlich überall, wo es um Wein geht. Auf Weinreisen bekomme ich immer wieder neue Eindrücke – andere Regionen, andere Menschen, andere Herangehensweisen. Das öffnet den Blick und bringt mich oft auf Ideen, die ich dann zu Hause im eigenen Keller ausprobieren möchte. Auch Weine aus der ganzen Welt inspirieren mich total. Ich liebe es, zu verkosten, zu vergleichen und zu überlegen, was ich davon vielleicht auf meine eigene Art umsetzen kann. Und manchmal probiere ich einfach Dinge aus, die so gar nicht den üblichen Regeln entsprechen – alte Rebsorten ganz anders zu vinifizieren zum Beispiel. Ich finde, genau daraus entstehen oft die spannendsten Weine. 

Was machst du anders als deine Eltern? 

Im Vergleich zu meinen Eltern gehe ich beim Ausbau der Weine etwas experimenteller vor. Während sie eher klassisch gearbeitet haben, setze ich heute auch im Weißweinbereich bewusst auf den Einsatz von Holz, um den Weinen mehr Struktur und Tiefe zu geben. Außerdem lasse ich meine Weine spontan vergären. Dabei spielt für mich Authentizität eine große Rolle – die Weine sollen so ehrlich und unverfälscht wie möglich den Charakter des Weinbergs zeigen und genau das ausdrücken, was dort gewachsen ist. 

Was fasziniert dich am Weinbau am meisten? 

Am meisten fasziniert mich, dass er einfach nie langweilig wird. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken, zu probieren und zu lernen. Jeder Jahrgang ist anders und bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich – das macht die Arbeit so spannend. Gleichzeitig entwickelt sich der Weinbau ständig weiter, und ich finde es unglaublich faszinierend, wie sich Tradition und Herkunft mit neuen Ideen und Trends verbinden lassen. Diese Mischung aus Beständigkeit und Veränderung, aus Handwerk und Innovation, macht den Weinbau für mich zu etwas ganz Besonderem.

Welche Trends und Entwicklungen beobachtest du, die deiner Meinung nach besonders relevant sind? 

Ein Trend, den ich gerade richtig spannend finde, ist der Fokus auf Burgunder – bei uns vor allem Chardonnay. Man sieht ihn inzwischen überall: als frischen Gutswein, als Sekt oder als herkunftsbetonten Barriquewein. Es beeindruckt mich, wie vielseitig die Sorte ist und wie man sie immer wieder anders zeigen kann, ohne dass sie ihren Charakter verliert. Durch den Klimawandel hat die Rebsorte in der Pfalz inzwischen auch perfekte Bedingungen bekommen, was ihre Entwicklung und Ausdruckskraft noch spannender macht. 

Welches nicht-traditionelle Weinpairing empfiehlst du zu einem deiner Weine, das überraschend gut harmoniert? 

Ein nicht-traditionelles Pairing, das ich richtig spannend finde, empfehle ich zu unserem Müller-Thurgau – bei uns „Müller Turbo“ genannt. Wir haben ihn neu interpretiert und spontan im Holzfass vergoren. Er passt überraschend gut zur asiatischen Küche, zum Beispiel zu Sommerrollen oder Sushi. Die Frische und Leichtigkeit des Weins ergänzen die Aromen perfekt und machen das Ganze zu einer richtig gelungenen Kombination.